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PISA

Alles zum Erfassen von Lernkontexten – der Hintergrund zu PISA 2015

Unter welchen Voraussetzungen lernen Schülerinnen und Schüler? Und zu welchen Bildungsergebnissen, die über Leistungen hinausgehen, führt das? Ein neues Buch erläutert den internationalen Forschungsstand zu diesen Fragen und legt am Beispiel der aktuellen Studie PISA 2015 detailliert dar, wie solche Lernkontexte erfasst werden können. Zeitgleich werden erprobte Fragebogeninstrumente hierzu online zur Verfügung gestellt.

Großen internationalen Schulvergleichsstudien wird häufig vorgeworfen, dass sie schulisches Lernen nur auf Leistungen und Ranglisten reduzieren. Dabei erarbeiten Studien wie PISA auch vielfältiges Wissen zu den Bedingungen, unter denen Schülerinnen und Schüler lernen. Zu diesen Voraussetzungen zählen etwa der soziale Hintergrund der Kinder und Jugendlichen oder die Qualifikation der Lehrkräfte. Zugleich liefern die Untersuchungen Erkenntnisse zu Bildungsergebnissen, die über Leistungen hinausgehen – zum Beispiel zu Berufswünschen und Fachinteresse. Damit bieten die Studien umfangreiche Grundlagen, um Bildungsverläufe genauer erklären sowie Schulen und Unterricht verbessern zu können.

Das neue, unter Leitung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) herausgegebene Buch „Assessing Contexts of Learning – An International Perspective“ gibt nun einen Überblick über den hierzu in internationalen Studien erreichten Forschungsstand. Das Werk skizziert die theoretischen und methodischen Grundlagen des Erfassens von Lernbedingungen und nicht-kognitiven Bildungsergebnissen. Zugleich konkretisiert es, wie sich die damit erzielten Ergebnisse auf zentrale Fragen von Forschung, Politik, Administration und Praxis im Bildungsbereich anwenden lassen. In Verbindung mit dem Buch stehen ausgearbeitete Fragebogeninstrumente zu genau diesen Themen online zur Verfügung – in zahlreichen Sprachfassungen. Damit wird die internationale Anschlussfähigkeit und Vergleichbarkeit der Erhebungen gesichert, die sich zum Beispiel für weitere Forschungsprojekte, für Schulevaluationen oder für Arbeiten im Studium nutzen lassen. „In dieser inhaltlichen Tiefe und mit einer so breiten Anwendbarkeit sind Lernkontexte noch nie in einem Buch bearbeitet worden“, betont Dr. Susanne Kuger vom DIPF, die Erstherausgeberin des Buchs.

Weitere Mitglieder des Herausgeberteams sind Professor Dr. Eckhard Klieme und Dr. Nina Jude, ebenfalls vom DIPF, sowie Professor Dr. David Kaplan von der University of Wisconsin-Madison in den USA. Das Buch erläutert die Inhalte anhand von Arbeiten im Rahmen der Studie PISA (Programme for International Student Assessment) 2015. Damit ist das Buch eine wichtige Quelle, die Hintergründe der aktuellen PISA-Studie erläutert und Untersuchungsmaterialien im Original verfügbar macht. Die in dem Band versammelten internationalen Autorinnen und Autoren lassen aber auch Erfahrungen aus weiteren ländervergleichenden Schulstudien wie TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study), ICILS (International Computer- and Information Literacy Study) und TALIS (Teaching and Learning International Survey) in die Darlegungen einfließen.

Zum Aufbau: Vier einleitende Grundlagenkapitel von „Assessing Contexts of Learning“ legen transparent die Theoriebildung sowie die Entwicklung und Qualitätskontrolle der Erhebungsinstrumente dar. Im Folgenden widmet sich das Buch in 15 Kapiteln, unterteilt in drei thematische Abschnitte (1. Schülerhintergrund, 2. Bildungsergebnisse, die über Leistungen hinausgehen, und 3. Lernen in Schulen), den wichtigsten Lernkontexten und ihrer Einordnung. Die Autorinnen und Autoren beschreiben dabei unter anderem, wie man mehr zu den Meinungen und Einstellungen der Kinder und Jugendlichen herausfinden kann, indem Erhebungen in unterschiedlichen Teilbereichen vorgenommen werden – zum Beispiel zu Wohlbefinden in der Schule, Interesse und Umwelteinstellungen. Dr. Kuger erläutert die Bedeutung am Beispiel der Motivation: „Wir können zeigen, dass sie einen starken Einfluss auf das Lernen und damit die Lernerfolge hat. Zugleich ist die Motivation, sich auch zukünftig mit Lernen zu beschäftigen, ein Bildungsergebnis, daher sind Erkenntnisse hierzu von hoher Relevanz für die Schulentwicklung weltweit.“

Die für solche Untersuchungen notwendigen Fragebögen stehen jetzt für alle betrachteten Lernkontexte in der vom DIPF betreuten Datenbank zur Qualität von Schule zur Verfügung. Ein eigener „Digital Object Identifier“ (DOI) verweist von jedem Kapitel auf den entsprechenden Datenbankeintrag. Die erprobten Fragebögen liegen in insgesamt 59 Sprachen vor – viele davon zusätzlich noch in unterschiedlichen Versionen und Dialekten. Um sich ein komplexes Bild der Lernkontexte machen zu können, richten sich die Erhebungsinstrumente nicht allein an Schülerinnen und Schüler, sondern auch an Schulleitungen, Lehrkräfte und Eltern.

Das Buch ist im Springer-Verlag erschienen: http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-319-45357-6
DOI: 10.1007/978-3-319-45357-6

Die online verfügbaren Fragebogeninstrumente: https://doi.org/10.7477/150:0:1

Kontakt:

Lernbedingungen: Dr. Susanne Kuger, DIPF, +49 (0)69 24708-246, kuger@dipf.de
Presse:
Philip Stirm, DIPF, +49 (0)69 24708-123, stirm@dipf.de, www.dipf.de

Das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) trägt mit empirischer Bildungsforschung, digitaler Infrastruktur und gezieltem Wissenstransfer dazu bei, Herausforderungen im Bildungswesen zu bewältigen. Das von dem Leibniz-Institut erarbeitete und dokumentierte Wissen über Bildung unterstützt Wissenschaft, Politik und Praxis im Bildungsbereich – zum Nutzen der Gesellschaft. Zu den Leistungen des DIPF gehören unter anderem die Entwicklung und Auswertung der bei PISA 2015 und 2018 international eingesetzten Fragebögen zu den Bedingungen, unter denen Jugendliche lernen.

zuletzt verändert: 15.12.2016
FAQ zu PISA

Die am häufigsten gestellten Fragen und Antworten zu PISA und der Arbeit hierzu am DIPF

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